Loom und eine Weihnachtsgeschichte

 

Wenn mich die Weihnachtsgeschichte etwas gelehrt hat und immer wieder lehrt: Es kommt ganz anders als geplant und erwartet. Dass ein König in einem Stall in grösster Bescheidenheit zur Welt kommt, dass einfache und vom Leben auf dem Feld gezeichnete Hirten die ersten sein werden, die ihm Ehre erweisen, damit hätte wohl niemand gerechnet – ein Königshaus hätte die Ankunft eines Thronfolgers bestimmt ganz anders geplant.

[Werbung von Herzen] Gerade drum mag ich die Adventszeit so: Es darf ruhig etwas chaotisch her und zu gehen, die Welt darf da auch mal Kopf stehen – das schafft immer wieder Raum für kleine weihnächtliche Wunder, für kleine besondere Momente, für „Geschenke“ aus heiterem Himmel. Planen ist nicht so meins; oftmals wäre es ganz nützlich, manchmal ist es einfach notwendig, zuweilen ärgerlich, bei mir meist suboptimal, dafür immer wieder überraschend.

 

Der neueste Streich von Barbara und Bettina von HelloHeidiFabrics dagegen ist liebevoll geplant. Petra aka pedilu hat ein minimalistisches und modernes Design entwickelt, inspiriert durch Schuss- und Kettfäden bei gewebten Stoffen: Loom, englisch für Webstuhl. Daraus ist ein glamouröser Jacquard mit eingestricktem Lurex in fünf verschiedenen Farbstellungen geworden. Der Lurex verleiht dem reduzierten Design einen weihnachtlichen Schimmer. Einfachheit trifft auf Glitzer, Glanz erscheint im Schlichten. Wenn das mal nicht weihnachtlich ist!

Was ich überhaupt nicht planen oder überlegen musste, war die Wahl für eine der Farbvarianten: Roségold-Bordeaux. Das goldene Lurex wird mit nude-farbenem Garn mitgestrickt, so entsteht der Farbton roségold. Der Jacquard in Bio-Qualität von Albstoffe ist gewohnt weich und geschmeidig, kein kratziger Lurex, der macht sich nur im dezenten Schimmern und Glitzern bemerkbar.

Die Wahl des Schnittes erfoderte dann etwas mehr Planung, nichts also mit adventlichem Treiben-Lassen. Aber als Meisterin der Unplanung wurde erst Plan A verworfen, dann Plan B; Plan C wurde zumindest getestet und gut befunden. Während des Nähens wurde dieser Plan dann zig Mal in Frage gestellt, modifiziert, um es dann nach geplanter Unplanung entstehen zu lassen, wie es wohl werden musste. Zum Glück hatte ich in meinem Nahtauftrenner einen guten Weihnachtswichtel.

Geworden ist es dann ein Kleid Carol von pattydoo, das ich – wenn ich das jetzt so überlege – letztlich ziemlich nach Plan genäht habe. Die Umwege, die brauchte ich wohl mehr für mich. Vielleicht wird es das Weihnachtskleid, Loom schreit ja quasi danach; deshalb habe ich mich auch für ein Kleid entschieden. Vielleicht trage ich es aber auch nicht zu Weihnachten, mal schauen. Die Chancen aber stehen nicht schlecht, denn: Heiligabend feiern wir traditionell zu Hause in Pyjama und/oder Jogginghosen – und ein weiches Sweat- bzw. Jacquardkleid über Leggings ist ja durchaus ähnlich entspannt und gemütlich. 😉

Das Kleid funktioniert auch über Jeans, was die Chancen erhöht, dass es auch an den folgenden Weihnachtstagen ausser Haus zum Einsatz kommen könnte. Statt dem spontan improvisierten Bindeband-Gürtel aus der Rückseite des Stoffes könnte ich dann auch zu meinem braunen Ledergürtel greifen – und hätte quasi gleich ein anderes Outfit. Das wiederum passt zur Philosophie von HelloHeidiFabrics, die ihre Kollektionen so planen (!), dass die Farben sich immer wieder finden und/oder miteinander harmonieren und sich so die Kollektionen auch gut untereinander kombinieren lassen. Also eigentlich könnte das mit dem Planen auch eine richtig gute Sache sein.

Die Rückseite von Loom ist genau so toll wie der Vorderseite. Durch die mitlaufenden Garne des Musters ergibt sich ein melierte Optik mit zauberhaftem Schimmerglanz. Ich bin tatsächlich versucht, mir noch mehr Loom zu holen – um die Rückseite zu vernähen. Die Reststücke habe ich bereits so zu einem Beanie und Stulpen vernäht.

Im Unterschied zu mir hatte der Herzensmann sogleich einen Plan, was die Bilder betrifft. Pläne gehen nicht immer auf, dafür durften wir zwei uns nach einer ersten noch eine zweite kleine Auszeit  zum Fotografieren nehmen – einem stressigen Tag zum Trotz. Und die Abendsonne hat aus dem Schimmer kleine goldene Funkelsternchen gezaubert.

Pläne können noch so ausgefeilt sein, gewisse Dinge brauchen einfach ihre Zeit, bis sie bereit sind, aufzugehen. Jedes Auftrennen, jede erneut genähte Naht und jeder Versuch, Bilder zu machen, waren genau richtig. Es wird nicht schneller Weihnachten, je mehr und besser wir planen. Jesus ist wollte genau dann und dort zur Welt kommen, als niemand es auf dem Plan hatte,  er kam zur Welt, als der Moment dafür der richtige war. Nur so gelang es ihm, die Weltordnung einmal so durcheinander zu bringen, dass Raum für Neues, Hoffnung und Freude entsteht.

 

An Weihnachten steht die Welt schon mal Kopf, die Adventszeit sehe ich drum als Zeit der Vorbereitung, mich in Gelassenheit zu üben, die Unplanbarkeit auszuhalten, offen zu sein für das Unerwartete, die kleinen Sternstunden – und seien es nur Minuten –, die sich aus heiterem Himmel ergeben, wahrzunehmen und das weihnachtliche Schimmern darin zu entdecken.

Ich wünsche euch von Herzen eine frohe Adventszeit voller Schimmern und Glitzern
Kathrin

 

Stoff: Bio Jacquard Loom Roségold-Bordeaux | Jersey Bordeaux – alles von HelloHeidiFabrics.
Schnitt: Sweat-Kleid Carol von pattydoo | Beanie nach dem Tutorial von HHL
verlinkt bei: SewLaLa, bio:stoff, Du für dich am Donnerstag

*Werbung | Dieser Beitrag enthält Werbung. Die Stoffe wurden mir im Rahmen des Designnähens bzw. einer Kooperation zur Verfügung gestellt. Ich nähe und zeige aber nur, was mir wirklich gefällt. Auf meinem Blog vertrete ich meine Meinung.

2 Gedanken zu „Loom und eine Weihnachtsgeschichte

  1. Klaudia

    Liebe Kathrin,

    Was für ein schöner Beitrag! Du hast wirklich recht. Letztes Jahr hatten wir in der Vorweihnachtszeit so viele Pläne, dass es am Ende nur noch stressig war. Dieses Jahr lassen wir alles auf uns zukommen. Da bleibt auch mal Zeit für einen oder zwei ausgedehnte Nähabend(e) mit Loom. Slow Sewing und viel Ruhe sozusagen. Dein Outfit gefällt mir ausgesprochen gut. Genau so wollte das werden.

    Liebe Grüße,
    Klaudia

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