Gloria – um Nähhimmelswillen!

Wahrscheinlich ist es einer Deformation professionelle zuzuschreiben, dass mich beim Stichwort Gloria gleich ein sakraler Ohrwurm befällt – und irgendwie während des ganzen Probenähens der Jeans Gloria nicht mehr losgelassen hat; dabei ist so eine Jeans ja eigentlich eine ziemlich profane Sache und aus unserem ganz normalen Alltag kaum mehr wegzudenken.

„Himmelherrgott Gloria“ – dieser und so ähnliche Seufzer und Stossgebete gen Nähhimmel haben wohl fast alle Probenähfrauen rund um Katrin aka freuleins, die zum Jeans-Probenähen geladen hat, ab und an ausgestossen. Eine Jeans ist nun mal kein Shirt; sie ist von der Konstruktion und dem Nähaufwand einfach eine nicht ganz so profane Sache wie ein Jersey-Shirt , das nicht zuletzt dank des Materials etwas mehr Passform-Spielraum hat (wobei ein gut sitzendes Shirt durchaus auch überhaupt nichts Banales ist). Eine Jeans stellt vor ganz andere Herausforderungen; eine ganz profane Erfahrung, gemacht in engen stickigen Umkleidekabinen. Auch wenn wir auf eben diese Erfahrung immer wieder gerne verzichten würden, reagieren wir auf die Idee, uns eine Jeans selbst zu nähen, erst einmal mit einem „um Himmels willen“ oder so.

Ich bin „weiss Gott“ keine begnadete Probenäherin; ich nähe zwar immer mal wieder Probe, wenn der Schrank eh nach neuen Schlafshirts verlangt, die Kinder gerade über Nacht einen Kopf grösser geworden sind und neue Sachen brauchen oder ich unendlich viel Zeit habe (was ist das?).

Und nun habe ich in diesem noch jungen Jahr schon zwei doch eher zeit- und stoffaufwändige Hosen-Probenähen mitgemacht: Eine Hose in einer netten Runde probezunähen, zusammen zu fluchen, zu bangen, zu lachen (Stichwort Probehose aus sehr bunter Bettwäsche 😉 , „jesses, wie lustig“ ), zu tüfteln und zum Ende gemeinsam so stolz zu sein, es geschafft zu haben, das macht einfach Spass. Gloria (=Ruhm, Ehrerbietung) solchen Probenähgemeinschaften, ein Hoch auf eine tolle Probenährunde.

 

 

Die Jeans Gloria ist im Baggy-Stil geschnitten,  oben rum etwas legerer und nach unten enger werdend. Die Hose hat eine markante Knopfleiste und kommt ohne Reissverschluss aus, was die Sache nähtechnisch eher vereinfacht (natürlich können Knopflöcher auch nervenaufreibend sein und der Knopfgott ist einem auch nicht immer wohlgesinnt). Im Probenähen brauchten wir mehrere Anläufe, bis Gloria so sass, wie von Katrin angedacht. In einer ersten Runde hatten wir beispielsweise reihum das Gefühl, ausgeprägte Fussballerwaden zu haben. Bei einer ersten Anprobe (der besagten sehr schrillen Bettwäsche- Probehose) fluchte, seufzte und lachte ich Tränen, da ich kaum meine Riesenlatschen durch die noch suboptimale (zu enge) Wadenöffnung brachte. Da half dann nur ein beruhigendes „Glo-ooo-ooo-ria in excelsis ….“ und der Retter aus dem Nähhimmel in Gestalt des Nahtauftrenners.

 

 

Hat frau dann mal die Sache mit ihrer persönlichen Gloria raus – beim Hosennähen kommt frau nicht um individuelle Anpassungen rum, Tipps dazu gibts im Ebook –, empfinde ich das Zusammensetzen der vielen Teile, das Nähen und Absteppen als sehr medititativ – „Nähgottesdienst“ quasi.

Vernäht habe ich einen Jeansstoff von Merchant&Mills, den mir der Herzensmann als Mitbringsel aus Boston mitgebracht hat. Für die Taschen und die Bundinnenseite habe ich einen grossen Webstoff-Rest von Art Gallery verwendet, den ich bei Nähbuddy Bettina fand – und der nun (leider) schon vollständig vernäht ist: Die letzten Stückchen davon zieren nun noch mein Jäckchen Betty, das so gut zur Gloria passt. Und meine Schnecke darf als Spielerei und Markenlogo natürlich auch nicht fehlen, fügt sie sich doch so gut ein in die für Jeans so charakteristischen Taschen-Steppnähte.

Dazu trage ich, wie schon erwähnt, Jäckchen Betty, ebenfalls von freuleins. Ich bin echt hingerissen und die nächste Betty schon in Planung. Erst habe ich etwas irritiert die Schnittteile begutachtet; schnell war der Hirnknoten aber gelöst, und die Konstruktion mit den Belegteilen am Vorderteil hat mich überzeugt, ebenso die Passform (ich habe lediglich die Brustabnäher etwas nach unten versetzt) und die hübschen Details – perfekt um dem wunderschönen schwarzen Etno-Webstoff einen kleinen Ehrenplatz zukommen zu lassen. Für Betty habe ich den lang gehüteten Silmu-Strick in Olive von Nosh vernäht – und ich glaube, der hat so lange nur auf Betty gewartet. Betty war im Unterschied zu Gloria wirklich eine ganz profane und unkomplizierte Nähangelegenheit, ganz ohne Fluchen und Stossgebete und ohne nähhimmlischen Beistand (Nahtauftrenner).

Ihr seht, der sakrale Ohrwurm passt doch ganz gut zur Jeans Gloria – achtet mal darauf, in wievielen Flüchen und Seufzern sich himmlische Gestalten verbergen. 😉 Fluchen, Bangen, Zittern und Erstaunen gehört irgendwie dazu zum Jeans-Nähen. Und zum Schluss haben wir wohl fast alle ein frohes „Halleleluja“ jubiliert – vor Freude und Stolz über unsere Jeans Gloria, die sitzt und passt und uns gefühlt in höhere nähhimmlische Sphären katapultiert hat.

Darum: Wagt es einfach und flucht und seufzt, was das Zeug hält! Und dann ist Gloria und Ruhm euch sicher … 😉

Habt’s gut!
Kathrin

 

Schnitte: Jeans Gloria und Jäckchen Betty, beide Schnitte wurden mir von freuleins (im Rahmen des Probenähens) zur Verfügung gestellt.
Stoffe: Denim von Merchant&Mills via gatherhere in Boston I Strickjacquard Silmu in Olive von Nosh (sponsored), in dieser Farbe nicht mehr erhältlich, aber in einigen anderen
verlinkt bei: RUMS, ich näh Bio

Dieser Beitrag enthält Werbung. Die Schnitte und der Nosh-Stoff wurden mir kostenlos zur Verfügung gestellt, alle anderen Zutaten habe ich selber gekauft. Ich nähe und zeige aber nur, was mir gefällt. Auf meinem Blog vertrete ich meine Meinung.

 

 

 

2 Gedanken zu „Gloria – um Nähhimmelswillen!

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