Ready for take off mit Lewis Coat

Letzte Woche erzählte ich euch von einer meinen Nähreisen und wie für mich eine neue Art des Nähreisens gesucht und gefunden habe. Zu meiner neuen Art des Nähreisens gehört auch, dass ich meine Reiseziele und die Souvenirs, die ich von da zurückbringe, danach aussuche, was gerade gebraucht wird. Nicht nur natürlich, gewisse Souvenirs sind auch einfach nice to have, nur Staubfänger werden tunlichst vermieden.

Im Frühjahr zeichnete sich ab, dass unsere Kinder ihren Softshelljacken quasi über Nacht entwachsen sind. Da ich grundsätzlich gerne Jacken nähe und mich die Reise ins noch unbekannte Reich der Softshellstoffe reizte, war die Jacken-Nähreise ziemlich rasch beschlossene Sache. Ein Softshellstoff blieb irgendwie liegen, der Abflug verzögerte sich einmal, zweimal und noch zig mal. Dabei wäre neben dem Stoff auch der Schnitt und das Zubehör startklar bereit gelegen.
Zusammen mit dem grossen Sohn stiess ich nämlich schon im Frühjahr auf den Lewis Coat von Compagnie M., den wir beide mit der besonderen Schnittführung bei gleichzeitiger Schlichtheit sehr cool fanden, genau richtig für grosse Jungs.

Der grosse Sohn wurde grösser und grösser, der Herbst kam, die Temperaturen sanken und die Dringlichkeit für die neue Softshelljacke wurde immer grösser. (Dass der Sohn wegen eines Gipsarms kurzfristig auf meine Jacke auswich, liess die Dringlichkeit kurzzeitig vergessen.)

Statt mit der ursprünglich in der Reiseroute vorgesehenen Paspeln unterstrich ich die schrägen Teilungsnähte an Rücken und Kapuze lediglich mit einer grauen Absteppnaht. Irgendwie fühlte sich das plötzlich stimmiger an – und passte besser zu meiner spontan eingeschlagenen Routenänderung: eine reflektierende Morse-Botschaft sollte das Nützliche mit der Begeisterung des Sohnes für Navigation und Luft- und Seefahrt verbunden. Den ersten Buchstaben der Botschaft habe ich auch auf die Reissverschlussblende appliziert, die Faszination für die Fliegerei mit einem kleinen Flugzeug-Label an der Tasche nochmals aufgenommen.

Der Jacken-Flug geriet dann noch in heftige Turbulenzen: Das Thermometer sank, der Druck stieg, das Kerosin – meine Nerven und meine Geduld – schwand. Mehrmals setzte ich zur Landung an, mehrmals musste ich wieder durchstarten. Ich war tatsächlich kurz davor, die Reise abzubrechen und das Wrack zu schrotten (und dem Sohn eine Jacke zu kaufen). Das Simulatortraining in Reissverschlusseinnähen, Improvisieren und kühlen Kopf Behalten machte sich ausbezahlt, irgendwann legte ich doch noch eine einigermassen saubere Landung hin. (Dass mein Nähbuddy Bettina dachte, dass die Jacke gekauft ist, versöhnte mich mit der holprigen Landung – danke dir!)

Und der Sohn? – Er ist begeistert, und meinte, dass er ja noch ein wenig reinwachsen könne in die Jacke und ich nicht so schnell wieder eine solch strapaziöse Reise antreten müsse. Die Jacke ist tatsächlich eher ein komfortables Grossraumflugzeug geworden, was wohl auch daran liegt, dass der Schnitt eigentlich eine Fütterung der Jacke vorsieht. Dafür passt nun auch noch ein Fleece oder eine Weste drunter, jetzt, wo die Temperaturen noch einmal gesunken sind. Der Sohn ist auf jeden Fall ready for take off für Novemberspaziergänge. 😉

Herzlichst,
Kathrin

 

Schnitt: The Lewis Coat von Compagnie M.
Stoff: Softshell Marine von Stoff&Stil
verlinkt bei: AfterWorkSewing, Made4BOYS

 

 

 

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