Suhasu und eine Tunika

Es gibt viele Möglichkeiten, von A nach B zu gelangen, und diese Vielfalt macht das Unterwegssein auch spannend, wie finde ich. Für mich ist auch das Nähen meiner Kleidung eine Art Unterwegssein – und ich finde es immer wieder faszinierend, mich von neuem auf einen solchen Weg zu begeben und auch, diesen für mich nachzuzeichnen und zu sehen, welches der Ausgangspunkt war, ob und welche Umwege ich eingeschlagen habe und wohin er mich geführt hat.

Es gibt diese Autobahn-Projekte: Shirts. Stoff A wird zu Shirt B und das mit gefühlten 100km/h, nützlich, praktisch, nicht aufregend. Dann gibt’s genussvolle Spaziergänge, auf denen ich mich im Nähprozess treiben lasse. Oder Spontantrips, bei denen ich mich kopfvoran ins Abenteuer stürze. Letzteres, das war ich am Anfang meines Unterwegsseins an der Nähmaschine. Ich habe dabei unbestritten sehr viel gelernt, aber auch so manches Mal den Karren ordentlich gegen die Wand gefahren; das wiederum entspricht eigentlich weniger meinem eher vorsichtigen Naturell.

Inzwischen wäge ich bedeutend länger ab, ob ich was nähe, ob mir das steht und ich das dann auch wirklich trage, ob ich das wirklich brauche. Zwischenzeitlich stand ich mir damit definitiv mehr selber  im Weg; frau kann nämlich auch zu viel abwägen und denken. So langsam finde ich auf einen Zwischenweg zwischen kopflosen Abenteuertrips und übervorsichtigem Stillstand – und so entdecke ich neue Wege, die sich für mich gut anfühlen.

Diese Tunika wäre fast ein Opfer des Stillstands geworden. Irgendwo sah ich mal ein Beispiel der New Bohéme Tunika aus der Ottobre und war ziemlich begeistert. Bei genauerem Hinschauen sah ich Fledermausärmel, eine weite Schnittführung und verwarf das für mich, zu gross die Angst, als Kommode auf Stelzen zu enden.

Letzten Februar am Nähtreffen in Lüneburg bekam ich mehr zufällig mit, wie Katharina aka ‚Der Rabe im Schlamm‘ genau diese Tunika nähte. Und wann hat frau schon die Gelegenheit, Vorurteile unkomplizierter zu bestätigen oder aus der Welt zu schaffen, als an einem solchen Nähtreffen. Tatsächlich durfte ich Katharinas Tunika, kaum fertig genäht, anprobieren – und wahrscheinlich hätte ich mich damit aus dem Staub machen können und niemand hätte gemerkt, dass es gar nicht meine Tunika gewesen ist, ausser Katharina. So sehr meins, so fühlte es sich an. Und die Tunika stand ganz schnell ziemlich weit oben auf der to sew-Liste. Zaudern, Umweg und nun Autobahn?

Nicht ganz. Wohl hielt ich seit letztem Februar immer mal wieder Ausschau nach einem Stoff für ebendiese Tunika, ein zwei kamen auch mal in die engere Auswahl, aber irgendwie konnte mich nichts so wirklich überzeugen. Und so wartete ich … denn Geduld mit mir und mit meinen Nähprojekten ist eine meiner neu entdeckten Tugenden im Nähzimmer.

Dann kam Suhasu von Nosh in der tollen Plume-Black-Farbstellung und mir war sofort klar, hier kommt meine New Bohéme-Tunika. Ab da nun Autobahn, nein (ich hasse Autobahn), eine Überfahrt mit der Fähre, unkompliziert von A nach B, Vorfreude, frische Brise im Haar und so. Kaum fertig wurde die Tunika auch gleich ausgeführt und wieder und wieder, und schliesslich hat es die Tunika auf einem wirklich garstigen Novembersonntagsspaziergang auch vor die Kamera (inkl. Lieblingsfotobomber 😉 ) geschafft. Dass im Hause naadisnaa selbst die Regenschirme bordeaux bzw. aubergine-pflaumenfarben sind, überrascht nicht wirklich, oder?

Ein echtes Wohlfühlteil ist da entstanden, das dank der super Qualität der Nosh-Stoffe einfach alles mitmacht (die Nosh-Sachen sind so ziemlich fast die einzigen Outfits, die bereits vor dem Blogshooting getragen werden dürfen. 😉 ). Mein Highlight an der Tunika sind die grossen Taschen – ich liebe Taschen –, die zwischen den Seitenteilen und dem in Falten gelegten Vorderteil eingearbeitet sind. Und das zweite Highlight: Ich kann die Tunika zu meinen geliebten Jeans tragen.

Diese Nähreise hat sich richtig stimmig angefühlt, ein kleines Abenteuer bin ich eingegangen, aber nicht kopfvoran. Ich habe abgewägt und geplant, ohne den Mut zum Losnähen zu verlieren, und ich habe ich mich geduldig von meiner Intuition leiten lassen. Vor allem: die Tunika hat ganz naadisnaa Gestalt angenommen, Schritt für Schritt – Luftsprünge inkl. 😉 – , Naht für Naht, alles zu seiner Zeit.

Mein nächstes Projekt, das ich euch zeigen werde, fällt schon fast in die Kategorie exotische Abenteuerreise, und wie auch auf der Tunika-Reise hatte ich da tolle Reise- und Wegbegleitung durch #nähenverbindet – ich finde es einfach toll, dass es dieses Miteinander auf diesen Nähreisen gibt. Danke euch allen, die ihr hier mitliest, mitfiebert, mich anspornt und motiviert, mich durch euer Feedback weiterbringt und mich zu neuen Wegen und Reisen inspiriert.

Ich freue mich nun auf eine kleine Reise ins Stoffparadies und mit viel #nähenverbindet und wünsche euch viele kleine und grosse spannende Reisen!
Kathrin

 

Stoffe: Jersey Suhasu Plume-Black und Jersey plus Plume, beides von Nosh Organics (die Stoffe wurden mir im Rahmen einer Kooperation zur Verfügung gestellt).
Schnitt: Jerseytunika New Bohéme, Ottobre design woman 5/2014.
verlinkt bei: RUMS, ich näh Bio, bio:stoff

 

3 Gedanken zu „Suhasu und eine Tunika

  1. Lee

    Super schön liebe Kathrin!
    Den Schnitt mag ich sehr, eins trägt meine Schwegerin und eins ist einer meiner liebsten Kleider. Die Taschen aber auch die Art wie es fällt finde ich toll. Die Stoffe passen auch perfekt dazu, alles zusammen ist perfekt du!
    Liebe Grüße,
    Lee

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  2. Ani Lorak

    Lee hat gute und passende Worte gefunden. Die Farben könnte auch nadisnaa heissen, so gut passt diese zu Dir. Mag ich Gerne!

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  3. Pingback: Lieblingsjacke I mit Gewinnspiel | naadisnaa

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