Mein Näh-Etui

to be or not to be – das ist hier die Frage: Bin ich eine Taschennäherin oder nicht?

Als ich vor drei oder vier Jahren mit dem Nähen angefangen habe, habe ich vernäht, was mir zu Hause zwischen die Finger gekommen bist: Aus alten Jeans, Stoffresten, ausgedienten Vorhängen und Stoffbändern von Geschenken kreierte ich einfache Taschen und Täschchen. Der kreative Nähprozess, das Tüfteln und Lernen waren dabei wichtiger als das Resultat. Als Taschennäherin hätte ich mich da dennoch nicht bezeichnet.

Nach gefühlten tausend Reissverschlusstäschchen reizte mich die Herausforderung, Bekleidung aus Jersey zu nähen – anfangs für die Kinder, inzwischen nähe ich mehrheitlich für mich selber (und auch wieder aus Webware). Auf die Idee, Taschen zu nähen, kam ich gar nicht mehr: zu aufwändig, viel zu friemelig, zu zeit- und materialintensiv (inzwischen wusste ich um Einlagen, Taschenzubehör und Fertigkeiten, die es dafür brauchte) und überhaupt. Die Antwort war ganz klar: Ich bin keine Taschennäherin.

Zwischendurch mal ein schnelles (einfaches) Reissverschlusstäschchen nähte ich immer mal wieder und eigentlich gerne. Und dann kam letzten Sommer Annika mit ganz vielen Taschenschnitten von Sew Sweetness daher; als Nicht-Taschennäherin plante ich eine Tasche (nämlich diese), geworden sind es dann drei. Und Und auch wenn ich fluchte und wetterte, schon bei meinem ersten Material-Etui wusste ich, dass ich noch ein zweites nähen wollte. Doch Taschennäherin? Eher nein.

Ich habe es getan, pünktlich zum Nähtreffen #lüneburgnäht habe ich mir ein Etui für meine Nähsachen genäht. Ich nehme es gleich vorweg: Ich habe wieder gewettert und mich selber für diese „blöde“ Idee verflucht. Ich ärger(t)e mich über die eine oder andere schiefe Naht und über ein paar verbesserungswürdige  Stellen, die von der Friemelei – begleitet von Kraftausdrücken – zeugen. Ich musste mitten in einer Naht notfallmässig meinen Finger verarzten. Aber: Ich werde es wieder tun. Zumindest ein kleines bisschen bin ich Taschennäherin, ja! Ja, jetzt ist es raus. 😉

Denn ich liebe den Prozess des Zusammenstellens von Farben, Stoffen, Materialien und Tüddelkram. Ich mag es, in den Schatzkammern meines Nähzimmers zu stöbern und aus den vorhandenen Materialien etwas zu schaffen. Ich mag das Arbeiten mit Webware. Ich mag die Herausforderung, präzise und noch präziser zu arbeiten und zu versuchen, mich von Tasche zu Tasche zu steigern. Ich mag das Tüfteln, z.B. wie die für mich optimale Einteilung und Ausstattung meines Näh-Etuis aussehen soll. Und auch wenn ein paar Nähte (noch?) unschön schief sind, so erfüllt mich doch grosse Freude und Stolz über mein Näh-Etui.

Ich werde wohl keine grosse Taschennäherin, aber ich nähe tatsächlich gerne Taschen und habe mir fest vorgenommen, wieder mehr Taschen und Täschchen zu nähen – ein paar sind in den letzten Monaten entstanden, ein paar sind bereits in Planung.

Und habt ihr erkannt, welchen Stoff ich hier verwendet habe? Das finde ich nämlich auch sehr toll am Nähen von Taschen, frau kann auch kleinen Reststücken von Lieblingsstoffen ein weiteres Mal zum Auftritt verhelfen. Hier habe ich den Resten von meinem Lotta Skirt mit einem sehr gut gehüteten Stückchen Lieblingsstoff mit Garnrollen von Cotton & Steel kombiniert. Und die geplottete Stoffbüro-Nähmaschine in Gold, ein Geschenk von Dominique, hat nun auch einen Ehrenplatz erhalten.

Bis bald, wieder mit Rosa, aber dann wieder gewandet in Jersey 😉
Kathrin

 

Schnitt: Creative Maker Supply Case von Sew Sweetness, in deutscher Übersetzung erhältlich bei Nähconnection, hier genäht in der kleinsten Grösse und mit eigener Einteilung.
Plott: Plotterdatei stoffbüro Nähmaschine, erhältlich im Stoffbüro
verlinkt bei: Handmade on Tuesday, Creadienstag

 

 

8 Gedanken zu „Mein Näh-Etui

  1. Lee

    Ich habe es gewusst, du bist eine Taschennäherin, verstecken lohnt sich nicht mehr 😉
    Wunderschönes Etui, Farbe, Stoff, alles ganz meins.
    Liebe Grüße,
    Lee

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  2. Sandra

    Wunderbar geworden – der Reißverschluss 😉 , Stoffe, Tüddelkram.
    Ein ganz klein wenig bin ich anscheinend also auch Taschennäherin – reizt mich sehr, wenn ich diese Bilder sehe!
    Liebe Grüße,
    Sandra

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  3. Ani Lorak

    Sehr schöne Farbzusammenstellung, so harmonisch und doch nicht langweilig. Mag ich, würde mich auch über so etwas freuen. Ich hadere noch mit mir w/ Taschen nähen, selbst Täschchen werden seltenst genäht… Aber wenn ich mir die Deine ansehe, so gerate ich ins Grübeln, zusammen mit einer Scherentasche… das wäre so schick auf dem Nähtisch. Viele Grüße

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  4. Johy

    Wunderschön!! So eins brauche ich auch mal, aber ob ich die Motivation dafür finde ist eher fraglich 🙂
    Deins wird Dich ganz sicher ganz lange erfreuen!
    Liebe Grüße
    Johy

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  5. Kathrin

    Wow wie schön! Ich bin auch immer mal wieder auf der Jagd nach Stoffrestenverwertungsideen. 😉 ein tolles Etui hast Du da gezaubert!! Liebe Grüsse, Kathrin

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  6. Amely

    Mir gefällt dein Etui wirklich gut, es sieht schön und sehr praktisch aus. Du hast recht, Taschen nähen ist wirklich materialintensiv und aufwändig. Das Gute daran ist aber meiner Meinung nach, dass man den Schnitt nicht anpassen muss. Damit habe ich nämlich beim Kleidernähen Probleme, weswegen ich nach ein paar Versuchen zumindest zwischenzeitlich doch wieder beim Taschennähen gelandet bin…
    Liebe Grüße,
    Amely

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  7. Kirsten

    Den Oberstoff habe ich doch auch gleich wiedererkannt. Ich bewundere deine immerwährende Motivation sich viele Materialien zu suchen und so geschickt zu kombinieren, das macht doch eigentlich erst das kreative nähen aus. So ein t-Shirt ist immer fix gemacht ohne allzu große Planung , aber ich habe so einen Respekt vor so kleinen Täschchen . Vielleicht sollte ich mich da auch mal dran versuchen ?

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  8. Catharina

    Glückwunsch zu deinem Outing als Taschennäherin!
    Das ist aber auch ein ausgesprochen schönes Etui geworden. So viel Liebe zum Detail und ziemlich nah dran am Perfekten. Meine Motivation zum Taschennähen ist ja eher gering, aber vielleicht überkommt’s mich ja doch noch irgendwann…
    Liebe Grüße,
    Catharina

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