Cheyenne und ich

dsc_8032-klEs gibt ein paar Dinge, die wiederholen sich immer wieder als Momente hier auf dem Blog: Ich werfe Grundsätze über den Haufen (ich nähe nie eine Jeans), ich nehme Herausforderungen an und verlasse meine Komfortzonen, z.B. mit meiner Expedition #naadisnaagoeswebstoff. Und ich beweise Talent in Sachen Fettnäpfchen, Drama und Fluchen im Nähzimmer.

dsc_8040-klAnnika von Nähconnection hat ein besonders gutes Händchen, meinen Adrenalinspiegel erst hochzujagen und mich dann eines besseren zu belehren, sie zwingt mich quasi zu meinem Glück – sei es der Stolz über die selbstgenähte Jeans oder die entdeckte Freude am Vernähen von Webware. Und Annika schafft es immer wieder, mich kurz zu schocken und in Verlegenheit zu bringen – diesmal mit der Ankündigung einer Hemdenwoche.

Ich höre oder lese Hemd und sehe schwarz (oder Kragen, Manschetten, Knöpfe – was in etwa gleichbedeutend ist). Die einzigen Hemden im Haushalt naadisnaa sind denn auch schwarz und notwendiges, berufsbedingtes Übel für den Mann. Also musste ich ein paar Mal leer schlucken und hatte mich gedanklich aus der Hemdensache schon ausgeklinkt.

dsc_8045-klDa sah ich Cheyenne von Hey June in diesem Quartett. Und Cheyenne hält Optionen bereit, die mich gnädig stimmten: Dezenter Stehkragen statt „normalem“ Hemdenkragen, tiefer Halsausschnitt mit nicht durchgehender Knopfleiste statt bis oben zugeknöpft, Tunika statt Bluse und hochgekrempelte Ärmel statt Manschetten. Annika hatte mich – mal wieder. 😉

Im Spätsommer hatte ich mal eher günstige gewebte Viskose bestellt – für alle Fälle und Experimente; Auswahlkriterium neben des Preises waren die Farben senf und petrol (den Gedanken an Retrotapeten hatte ich irgendwie verdrängt). Und so dachte ich mir, probiere einfach mal, du hast nichts zu verlieren. Und der Stoff sollte sich als Idealfall für diese Tunika erweisen.

dsc_8051-klNächstes Moment: das Fluchen … es war das erste Mal, dass ich solch flutschige Viskose verarbeitet habe. Ich war vorgewarnt. Das Zuschneiden ging erstaunlich gut – beschwert mit dem ganzen Vorrat an Konservendosen, der sich in unserer Küche finden liess. Also setzte ich mich voller Zuversicht und Gelassenheit an die Nähmaschine. Knopfleiste gelang auf Anhieb ganz gut (die Ecke unten lasse ich einfach unerwähnt). Auch der Stehkragen war bald komplikationslos eingesetzt. Und so dachte ich, das Schwierigste sei geschafft. Denkste: Die Ärmel werden mit französischen Nähten eingesetzt. Wieder was gelernt – und vor allem geflucht, dieses Geflutsche und Gerutsche hat mich fast in den Wahnsinn getrieben. Dabei wollte ich doch diesmal so genau und akkurat arbeiten und mir richtig viel Mühe geben. Ich habe mein bestes gegeben … und in weiser Voraussicht beschlossen, die Seitennähte nicht französisch zu schliessen.

dsc_8060-klDenn, ich hatte es wohl geahnt, ich musste an den Seiten nachträglich noch etwas an Weite rausnehmen (mehr als die französische Naht verbraucht hätte). Zudem habe ich die Tunika noch um ein paar Zentimeter verlängert und einen Tunnelzug mit Gummiband auf Hüfthöhe angebracht, um die Tunika etwas mehr in Form zu bringen. Die Viskose fällt wirklich toll, aber da Webstoffoberteile eher etwas „kastiger“ ausfallen als Jersey-Shirts, fühle ich mich schnell mal als Lolli auf zwei Beinen. So fühle ich mich nun aber sehr wohl damit. Übrigens, das Fettnäpfchen habe ich auch nicht ausgelassen, welches, verrate ich aber nicht.

dsc_8068-klUnd mit meinem geliebten Strickmantel vom letzten Winter und dem neuen senfgelben Schal wird aus der ursprünglich als Probeteil gedachten Tunika ein Lieblingsoutfit. Tatsächlich. Und soll ich euch was verraten? Die nächste  Cheyenne wartet schon zugeschnitten neben der Nähmaschine … und das will was heissen! 😉 Und sagt eigentlich auch schon alles über diesen Schnitt, was gesagt werden will. Und wenn ihr euch noch all die anderen Cheyennes der Nähconnies in ihrer Vielfalt anschaut, dann werdet ihr auch nicht anders können, da bin ich mir ziemlich sicher.

dsc_8059-klIch bin ja schon gespannt, was sich Annika als nächstes ausdenkt für mich. 😉 Bis dahin werde ich bestimmt auch noch die der Cheyenne sehr ähnliche Kindertunika Laramie für die Tochter nähen – diese ist auch Teil der Hemden-Blusen-Sause.

Seid lieb gegrüsst!

Kathrin

 

Schnitt: Cheyenne Tunika und Bluse von Hey June, in deutscher Übersetzung bei Nähconnection. Aktuell gibt’s es die Schnitte Hemdenwoche als Spezialangebot: Ab zwei Schnitten gibt’s bis zum 6.12.2016 20% Rabatt.
Stoff: gewebte Viskose von Stoff&Stil

 

8 Gedanken zu „Cheyenne und ich

  1. Lee

    Was bin ich froh das Annika dich immer wieder rumkriegt…stell dir mal vor du hättest diese wunderschöne Bluse nicht genäht…das wäre fast eine Katastrophe! Also mach bitte immer weiter so und ich freue mich auf neues unerwartetes von dir!
    Liebe Grüße,
    Lee

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  2. Ani Lorak

    Wirklich eine schöne Bluse, mit Mantel und Tuch kombiniert gefällt sie mir gut. Ja – die Komfortzone muss man verlassen, aber frau wird dann belohnt!

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  3. Sindy

    So so so so so schön, liebe Kathrin. Ich verfolge gespannt, wie Annika anscheinend uns beide aus der beliebten Komfortzone holt. Toll Sache, oder? 😉

    Deine Cheyenne könnte nicht besser zu Dir passen, finde ich! So schön freundlich und farbenfroh. So, wie ich Dich kennengelernt habe!

    Ich hoffe, wir konnten mit unseren Beispielen inspirieren und die Cheyenne in ein paar weitere Nähzimmer schubsen 😉

    Ganz liebe Grüße und nen dicken Drücker
    Sindy

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  4. Regula

    hoi Kathrin!
    Wow, wieder mal toll genäht und geschrieben! Diese (Hemd-)Bluse steht die unglaublich gut, das Muster empfinde ich so gar nicht so sehr als „retro“.
    Bin gespannt auf die Kindertunika, meine grossen Mädels hätten wohl grosse Freude an so was und sie haben schon bald Geburtstag 🙂
    Liebe Grüsse,
    Regula

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  5. chrissibag

    Wow! Was für eine tolle Bluse! Und Deine Fotos sind einfach grandios!!!
    Es hat sich sowas von gelohnt, die Komfortzone zu verlassen!!! Klasse!

    Liebe Grüße
    Christiane

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  6. Annika

    Hahaha, da bin ich doch froh, dass ich dich immer wieder fordern kann. Euch soll ja nicht langweilig werden. Und in diesen Farben und der Kombi einfach genau dein Ding. Gefällt mir super!

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