Anfänge

DSC_7160-klIch kann mich noch erinnern, wie wir uns voller Spannung und Neugier darauf freuten, unser erstes Kind im Arm halten zu können und diesen Anfang eines neuen Menschenlebens und der Anfang unseres Elternseins zu erleben. Wir beobachteten mit Staunen und Dankbarkeit all die Anfänge unseres Kindes, das Krabbeln, Gehen, Sprechen und so vieles mehr lernte und entdeckte, und durchlebten selbst auch ganz viele Anfänge – als stolze Eltern, als besorgte Eltern, als überforderte Eltern, als Eltern von zwei, drei und schliesslich vier Kindern. Kleine und grosse Anfänge und doch alle bedeutsam.

DSC_7157-klEs gibt Anfänge, die kommen ganz plötzlich, überrumpeln uns. Und dann gibt’s Anfänge, auf die wir hoffen, auf die wir uns freuen, denen wir entgegenfiebern, auf die wir uns vorbereiten wollen. Und natürlich gab und gibt es Anfänge, die ein mulmiges Gefühl auslösen, die Ungewissheit bringen und deren Sinn wir bezweifeln. Es gibt Anfänge, die wir erst nachträglich als Anfänge erkennen. Und überhaupt, lassen sich Anfänge immer so genau festmachen?

Und dann gibt’s Zeiten, die nur so überquellen vor Anfängen und Herausforderungen. Ein solcher Wind, der verändert und Neues bringt, weht hier gerade. Der grosse Sohn hat in die Mittelstufe gewechselt, die Midi-Tochter ist seit kurzem eine stolze Erstklässlerin und die Mini-Tochter ist als Kindergartenkind nun auch eingeschult. Für mich bedeutet das, dass ich plötzlich nach 10 Jahren vormittags kinder- und betreuungsfrei und damit freie Zeit für mich habe und sich naadisnaa neuer Raum für neue Schritte und Wege eröffnet. In zwei Wochen tritt der Herzensmann seine neue Stelle an, seine Traumstelle, die nach ein paar Jahren mit viel Ungewissheit für ihn und auch für die Familie ein Mehr an Stabilität, aber auch einen ganz neuen Arbeitsrhythmus bringen wird. Eine Zeit voller Herausforderungen für uns.

DSC_7171-klDie Freude überwiegt. Stolz dürfen wir die Kinder in die immer grössere Selbständigkeit begleiten. Es erfüllt uns mit Dankbarkeit, dass die Zeit reif geworden ist für all die Anfänge und wir ihnen mit Zuversicht begegnen können. Ganz viele kleine Anfänge sind vorausgegangen, Anfänge aller Art, und haben uns darin bestärkt, dass es gut kommt, dass jedem Anfang ein Zauber innewohnt, der uns beschützt und der uns hilft zu leben, wie es Hermann Hesse in seinem berühmten Gedicht ‚Stufen‘ sagt.

In jedem Anfang gibt’s so viele Gefühle, Angst, Anspannung, Sorgen, Wehmut und Traurigkeit, Aufregung – und manchmal sind wir einfach auch nur platt von all den neuen Eindrücken, die wir sammeln und verarbeiten. Da ist es ganz gut, dass es diesen Zauber gibt, der beschützt und begleitet, der uns immer wieder fasziniert und ermutigt, hoffen und vertrauen lässt. Ja, es passt, es kommt gut mit all diesen Anfängen.

DSC_7151-klFür mich ist der Anfang unserer Jüngsten als Chindzgimeitli etwas ganz besonderes. Wenn das jüngste Kind plötzlich gross ist und am Morgen fröhlich aus dem Haus geht – alleine, versteht sich – und wie eine Grosse am Mittag mit einem lauten “Hallo, ich bin’s“ wieder zur Tür reinkommt. Ich habe mich gefreut auf diesen Moment – für die Mini-Tochter, aber auch für mich. 😉 Und für Kind Nummer vier habe ich auch tatsächlich etwas Neues angefangen, nämlich selbst das Chindzgi-Täschli zu nähen – mit viel Freude und Stolz, mit vielen guten Wünschen und kreativen Momenten mit Raum für all die Gedanken rund die Herausforderungen dieses Anfangs für die Mini-Tochter und mich.

DSC_7152-klGewünscht war ein buntes, farbenfrohes Chindzgitäschli: Als ich diesen beschichteten Stoff bei Mira entdeckte, war klar, der soll es sein. Da sich die Mini-Tochter lange nicht wirklich auf ein Motiv festlegen wollte, stibitzte ich die Idee der Kletties der Schultheke der grossen Geschwister. Ein Schmetterling war schliesslich gewünscht, aber der lässt sich nun bei Bedarf austauschen gegen was auch immer. Ich könnte mir vorstellen, dass demnächst ein Pferd gewünscht wird. 😉  Genäht habe ich eine vereinfachte Version der Zirkeltasche vom Taschenspieler 3. Da sich die Mini-Tochter ein Geheimfach wünschte, fügte ich ein Reissverschlussfach ein mit „Glücksbringer“-Anhänger, für welches die Mini-Tochter in meiner Webband-Kiste wühlen durfte. Ganz gespannt und voller Vorfreude hat die Mini-Tochter die Entstehung ihres Chindzgitäschlis mitverfolgt, kommentiert und immer wieder ganz klar ihre Vorstellungen kundgetan.

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Es war für uns beide eine spannende und schöne Zeit der Vorbereitung auf diesen Anfang, den sie nun so gut meistert. Es ist für mich – trotz ein paar schiefer Nähte, die an meinem Näherinnen-Stolz kratzen – ein besonderes Stück mit besonderer Bedeutung. Ich bin stolz und dankbar und freue mich so sehr, wie die Mini-Tochter ihren Weg geht – und geniesse meine neu gewonnene Freiheit.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – fangt ihn ein und bewahrt ihn in euren Herzen!

Kathrin

 

 

 

verlinkt bei: Handmade on Tuesday

7 Gedanken zu „Anfänge

  1. Sindy

    Oh ich mag Deine Wortwahl und die Gedanken dahinter. Ein wunderschöner Tiefgang neben dem Nähen und kreativem Schaffen. Ich glaube, würden wir uns irgendwann einmal begegnen, wir hätten uns viel zu sagen.

    Aber nun bin ich erst einmal gespannt, wie es hier im Blog weiter geht und wie sich die gewonnene Zeit bemerkbar macht 🙂

    Alles Liebe für Euch und allen Anfängern viel Erfolg :*

    Herzliche Grüße
    Sindy

    Antworten
  2. Catharina

    So schön geschrieben! Und so wahr! Meine Kleinste geht ab Oktober auch in den Kindergarten. Ich weiß noch gar nicht, was ich dann vormittags so anstellen soll… Nein eigentlich weiß ich ganz genau, was ich alles anstellen würde/könnte/sollte… Na, mal sehen!
    Die Tasche ist jedenfalls spitze. Tolle Farben hast du ausgesucht.
    Liebe Grüße,
    Catharina

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  3. KreaMino

    Die Tasche ist ganz zauberhaft 🙂
    Die Kletties finde ich total spannend, das ist ein super System die Taschen der Kinder zügig zu individualisieren und auf den Geschmack anzupassen!
    Und der Text… ja der ist genial… 🙂
    GLG Dominique

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  4. Kirsten

    Liebe Kathrin,
    mit viel Freude und Aufmerksamkeit habe ich deinen so sinnhaften und wunderschönen Blogbeitrag gelesen. Da habe ich ganz vergessen auf die Bilder zu schauen. Ich glaube, da muss ich noch mal schnell rüber huschen 🙂
    Viel Erfolg und Entspannung bei eurem Neunanfängen, vielleicht tut sich gerade wieder einer auf und Du weißt es noch nicht.
    Liebe Grüße aus dem Norden, Kirsten

    Antworten

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